Geschichte

Der Name Evangelische Täufergemeinde ist ein geschichtlich «gewachsener» Name. Als die Gemeinden gegründet wurden, war die Tauf-Frage sehr zentral (die Taufe als Ausdruck einer bewussten Entscheidung des religiös mündigen Menschen für den Glauben an Jesus Christus, im Gegensatz zur damaligen Praxis des «Hineingeboren-Werdens» in die Kirche durch die Kindertaufe).

Im 19. Jahrhundert brach in manchen Teilen des Landes eine geistliche Erneuerung auf, die man rückblickend die Erweckungsbewegung nennt. Samuel Heinrich Fröhlich, ein reformierter Pfarrer, war einer jener Erweckungsprediger. Er war in den 1830-er Jahren Pfarrverweser in Leutwil (AG). Aufgrund seiner erwecklichen Verkündigung kam es zum Bruch mit der Landeskirche. In Leutwil entstand in der Folge 1832 die erste freikirchliche Gemeinschaft unter der Leitung Fröhlichs.

In seinem Kopf und Herz waren Ansichten über Christsein und Kirche gewachsen, die dem alten Täufertum ganz ähnlich waren: Menschen sollten zur Umkehr und zum persönlichen Glauben gerufen werden. Wer glaubt und es in freier Entscheidung wünscht, soll getauft werden. Die Gemeinde soll aus glaubenden und getauften Menschen bestehen und vom Staat unabhängig sein.
Ums Jahr 1850 entstand die Gemeinde in Diessbach, wo sich bis zu 500 Personen im Scheunentenn eines Bauernhofes versammelten. Unsere Gemeinde hatte da ihre Geburtstunde.
Die neutäuferische Bewegung blieb vor manchen Irrwegen nicht verschont. Gesetzlichkeit und Absonderung führten diese kleine Freikirche in zunehmende Isolierung von den anderen Kirchen und Gemeinschaften. Dazu kamen interne Konflikte, die schliesslich kurz nach 1900 zu einer weiteren Trennung führten. Daraus hervor ging eine konservative, separatistische Richtung, sowie eine sich zunehmend öffnende, evangelische Freikirche.

Die geschlossene Gruppe trägt heute noch den Namen «Evangelisch Taufgesinnte». Sie pflegt keinen Kontakt zu anderen Kirchen und lebt ihren Glauben nach strikten Regeln in Abgeschiedenheit.

Die Gemeinden der offenen Richtung – die Evangelischen Täufergemeinden (ETG) – haben sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer evangelischen Freikirche entwickelt. Seit 1984 sind diese Gemeinden im Bund der Evangelischen Täufergemeinden zusammengefasst. In der Schweiz gibt es 20 Gemeinden mit knapp 2000 Mitgliedern, die im Rahmen des Bund ETG mit anderen ETG’s ein Netzwerk bilden.

Die heutigen ETG-Gemeinden sind autonom organisiert und sind teilweise recht unterschiedlich. In manchen theologischen Fragen, in der Organisation, in den Angeboten und im Frömmigkeitsstil besteht keine einheitliche Ausrichtung.